Frühlingsanfang. Eine Zeit, in der man wieder fröhlichere und luftigere Taschen und Schuhe nimmt als noch in den kalten Monaten zuvor. Ich suche also meine Taschen heraus und räume in ihnen mal so ordentlich auf. Das bedeutet: Tasche nehmen, auf dem Boden ausschütten und dann gucken, was da wirklich wieder hinein muss.
Jaaaa, Frauen sind so. Egal, wie viele Taschen wir besitzen, in jeder schlummert noch irgendetwas. Ob Taschentuchpackungen, Tampons, hier ein kleiner Spiegel, dort ein paar Haarklemmen oder auch mal eine Visitenkarte. Dieses Jahr waren wieder ganz besondere Schmankerl dabei. Die Schale einer Banane, die nach ihrem Verzehr (der fand wohl weit ab eines Mülleimers statt) in eine Tüte eingewickelt und vergessen wurde - ich schäme mich schon sehr dafür, das hat auch eine billige C&A-Tasche nicht verdient und ich gelobe, dass das niiiiiemalswieder vorkommt - sowie in wirklich jeder Tasche: Tabakkrümel!!!!
Ich drehe meine Zigaretten lieber selbst, schon seit einer ganzen Weile. Meinen Lieblingstabak (ich bin Geschmacksraucher, auch wenn das für Nichtraucher wahrscheinlich absurd klingt) gibt es erstens nicht fertig, zweitens modelliere ich gerne lustige Formen (mal mehr und mal weniger freiwillig) und drittens kann man damit ganz viel Geld einsparen. Aber das Ergebnis bei vielen Bekannten und Freunden, die selbst drehen, sind Taschen voller Tabakkrümel. Und jeder hasst sie.
Ihr werdet euch jetzt denken "Aber da gibt es doch diese Taschen zu kaufen, in denen man seine Zutaten reintun kann!", aber die haben mir meistens nicht gefallen. Entweder sind sie einfach nur hässlich oder nicht funktionell. Ihr glaubt gar nicht, was man mit Stoff und Gummibändern so anrichten kann! Mein Entschluss stand also fest: Do it yourself! Kann ja nicht so schwer sein. *hüstel* Du hast dir doch im Sommer die Nähmaschine besorgt und sowas kleines sollte in einer Stunde erledigt sein. Fehleinschätzung. Das war im März.^^
Ich ging also los um Material zu besorgen. Da sah ich diesen hell-leuchtendblauen Stoff. Ein wenig gröber als normale Baumwolle, ich weiß nicht genau was es ist weil ich mich nicht auskenne. Er erinnert mich sehr an den Stoff meiner Ballettschäppchen, ist aber dünner. Ich liebe diese Farbe! Mich kann man mit fast allen Blautönen angeln. Dazu habe ich dann noch dunkleren, aquablauen Futterstoff gekauft. So langsam nahm die Tabaktasche in meinem Kopf Gestalt an. Und mir war klar: Die muss gelb verziert werden! Nach einigem Hin und Her und Überlegen kam mir die Idee, den Verschuss mit einem Knopf und einer Kordel zu gestalten. Klettverschlüsse wären toll und auch in der Farbe zu haben, aber in Verbindung mit Tabakkrümeln? Neeee!
Mein Augenwinkel hört das Wort "Maunz", als ich durch die Regale lief. Da schaute mich doch glatt eine gelbe Katze zum Aufbügeln an. Niedlich! Perfekt! DAS ist das i-Tüpfelchen, das die Tasche besonders machen soll.
Zu Hause angekommen blühte ich gleich auf. Es ist mein erster, vom Aufnäher abgesehen komplett selbstgenähter Gegenstand und es wird perfekt werden! Zugeschnitten habe ich, indem ich die Sachen, die hinein müssen, draufgelegt und ein wenig Nahtzugabe hinzugefügt habe. Ich mache mir irgendwie nicht viel aus Maßbändern. Den Stoff kann man durch seine Struktur optimal gerade zuschneiden . Von meiner Mama, die jetzt bestimmt stolz auf mich wäre und die immer viel selbstgenäht hatte, habe ich in Erinnerung, dass Stoffe gesäubert werden müssen, damit sie nicht ausfransen. Zick-Zack, Nähmaschine. Maschine aufgebaut, Stoffteile drunter und - Nichts! das Mistding schlingt. Pöhse, pöhse! Zwei Tage lang habe ich auf Probestücken versucht, die optimale Einstellung zu finden, aber sie blieb mir vorenthalten. Falls also jemand noch Tipps hat: Die Schlingen sind unten, also sollte es am oberen Faden liegen. Faden sind beide die gleichen. Ich bin mit meinem Latein am Ende.
Bis vor Kurzem lagen die Taschenteile nun in einem Beutel und ich ärgerte mich immer auch über mich selbst, wenn ich diesen sah. Inzwischen habe ich die Zuckernadel entdeckt. Sie näht Taschen und vieles mehr und ein paar Stücke haben es mir sofort gewaltig angetan. Bin jetzt stolze Besitzerin von mehreren zuckersüßen Täschchen. Sie hat auf www.zuckernadel.de zu einem Wettbewerb aufgerufen. Zu gewinnen gibt es ein Buch, dass Anleitungen zum Taschennähen enthält. Da dachte ich mir: Hmmm, bist Anfänger, kannst du gebrauchen. Englisch studierst du, das sollte kein Problem sein (das Buch ist auf Englisch) und die Schnittmuster, die es enthält, kannst du ja geich an dem Haufen Stoff, der noch übrig ist, ausprobieren. WENN es klappt. Also nahm ich wieder alle Sachen hervor, fluchte nochmals mehrere Tage über diese Nähmaschine und fing an, alles per Hand einzufassen und zu nähen. Ich stellte mir jetzt Frauen aus einer Zeit vor, in der es keine Nähmaschinen gab, und die Kleider genäht haben, die an Pracht kaum noch zu überbieten sind. Wie haben die das gemacht?
So entstand Stück für Stück und mit dem Willen dahinter, unbedingt an diesem Wettbewerb teilzunehmen, endlich meine Tabakkrümel-Ausrott-Tasche. Sie ist zwar nicht hundertprozentig gerade, die Nähte sind an einigen Stellen unregelmäßig und schief, der Verschluss ist noch nicht perfekt und die Aufbügelkatze fiel nach dem Bügeln ab und musste mit durchsichtigem Garn festgenäht werden, aber nun bin ich glücklich, diese Tasche endlich fertig zu haben und dass ich in wenigen Minuten - immerhin kurz vor "Einsendeschluss" - Teilnehmer am Gewinnspiel bin.
Das muss da hinein:

Tabakbeutelchen, Filter, Papers und natürlich ein Feuerzeug.

So sieht die Tasche zusammengefaltet aus.

Klappt man sie auf, guckt einem plötzlich die Hinteransicht der Katze an. Aus MaunzVorn wird MaunzHinten. Ich fand und finde diese Idee witzig. Das macht die Tasche zu etwas Besonderem.

Und so sieht die Tasche aus, wenn sie völlig aufgeklappt ist. Unten kommt der Kleinkram rein, oben der Tabak. Man hat alles beeinander und muss nicht die ganze Handtasche durchsuchen und vor allem: Keine Tabakkrümel mehr! Mission: ziemlich erfolgreich!
Einige meiner Freunde haben die Tasche schon gesehen und finden sie total niedlich. Einer meinte sogar, man müsse sie nicht für Rauchutensilien nehmen, sondern sie würde sich auch gut als Handtasche machen.
Ihr seht ja die Fotos: Wenn euch etwas einfällt, was verbessert werden kann, dann zögert bitte nicht mit Kritik und Hinweisen, wie es beim nächsten Mal besser werden kann. Lob nehme ich aber natürlich auch gerne an. ;-)
Nun drückt mir und meiner Maunztasche also die Daumen!
Bis morgen,
Biene
Und Papa, falls du diesen Artikel liest. Tut mir leid, dass ich rauche. :-/